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Rollerunfall? Come On! – Oder: Wer wird denn da so zimperlich sein?!

Liebste und treue Leser,

heut habe ich etwas für die Sensationsbegeisterten unter Euch. Haltet Euch fest, es wird auf jeden Fall blutig. In jedem Semester auf Bali werden Statistiken darüber erhoben, wie viele Erkrankungen es im Schnitt gegeben hat und wer sich wie oft mit seinem Roller auf die Strasse gepackt hat. Zu diesen Statistiken gehören aber auch sämtliche Unfälle, die in irgendeiner Weise mit einem Roller zu tun hatten. Das reicht dann von „da hat doch tatsächlich jemand den Asphalt hoch geklappt als ich nach…ja wie viele Bier waren es eigentlich…nach Hause fahren wollte“ bis hin zu „Häh wie jetzt? Mein Roller hat keinen Rückwärtsgang…konnt ihn nicht mehr halten…umgefallen!“. Wir geben uns seit 2,5 Monaten die größte Mühe, nicht in dieser Statistik erscheinen zu müssen. Aber wie mein Opa (ich muss Dich schon wieder zitieren…bist eben einfach zu weise!) immer so schön sagt: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“. Und so kam es wie es kommen musste. Wir gehen mit folgenden Worten in die Geschichte ein: Mein Rollerständer ist gemein, greift einfach so meinen Fuss an!

Tatort: Bali. Seminyak. Beach 66.

Täter: Frau Madlen Richter.

Tatbestand: Körperverletzung.

Opfer: rechter Fuss. Nagel großer Zeh.

Tathergang: Madlen hat, wie sie so schön sagte, etwas total doofes gemacht. Komplize: Rollerständer eines Honda Vario.

Geständnis der Täterin: Ich wollte meinen Roller aus einer Parklücke schieben. Meine Freundin half mir dabei, indem sie einen im Weg stehenden Roller beiseite räumte. Ich schob meinen Roller mit ausgeklapptem Ständer noch 2-3 Meter, um mir an geeigneter Stelle festes Schuhwerk anzuziehen. Dazu kam ich leider nicht mehr. Mein Komplize rammte sich selbst in meinen großen Zeh und riss mir dabei mutwillig meinen Nagel aus dem Nagelbett. Zeugen kann ich keine benennen, da ich mich nach dem Zusammenstoß im Schockzustand befand.

Ersthelfer: Frau Ina Paersch und Frau Mareen Kuhn

Erste Schadenseinschätzung und Diagnose: Patientin stabil. Stark blutende Wunde. Irreparable psychische Schäden.

Medikation: Jod. Wunde abgedeckt mit Pflaster und Tüchern…zusammengeklebt und fertig.

Ich hoffe Ihr könnt dieser kurzen Beschreibung den Tathergang entnehmen. Madlen hatte sich also dummerweise den Nagel aus dem Nagelbett gerissen. Wir beschlossen den Patienten zunächst in die Villa abzutransportieren. Dort hatten wir dann vor, den Übeltäter eigenhändig zu entfernen. Durch gutes Zureden unserer Mitbewohner haben wir uns doch überreden lassen ins Krankenhaus zu fahren. Gesagt, getan…wir nahmen das nächste Taxi in Richtung BIMC, das wahrscheinlich teuerste aber bekanntlich beste Krankenhaus auf Bali. Als der Taxifahrer von der akuten Situation der Patientin Richter erfuhr, brachte er uns sicher, aber im Affenzahn mit Hupe und Lichthupe, an unser Ziel. Im BIMC angekommen wurden wir bereits an der Eingangstür von einer Art Page empfangen. Irgendwie komisch…in Deutschland wird man höchstens vom Nachtwächter mit folgenden Worten begrüßt werden: Na ganz schön spät, Leute! Getränkeunfall? Ich hoffe Ihr habt Zeit mitgebracht, kann länger dauern. Und so waren wir freudig überrascht als wir vor einer Art Hotelrezeption freundlich empfangen wurden. Die Empfangsdamen stellten sich mit Namen vor, baten uns einen Sitzplatz an und informierten sich alle 2 Minuten nach dem Wohlbefinden der Patientin. Einen Cappuccino später (auf einer Skala von 1-10 hat dieser definitiv eine 12 verdient und war dazu noch kostenfrei) wurden wir von einem freundlichen Krankenpfleger ins Behandlungszimmer begleitet. Da man in solchen Hospitälern zahlender Gast ist, darf man sich praktisch alles erlauben. So hatte ich das Privileg Fotos vom schmerzverzehrten Gesicht der Patientin zu machen und die weitere Behandlung per Video zu dokumentieren. Eine freundliche Ärztin betrat das Zimmer, bestätigte meine Erstdiagnose und erklärte der Patientin nun in detaillierten Ausführungen das Was und Warum der nächsten Schritte. In Deutschland wäre das Ganze ungefähr wie folgt abgelaufen (Entschuldigung Tini, ich weiß, dass Du die liebste Krankenschwester der Welt bist): 3 Stunden Wartezimmer. Bei Nachfragen, wann man denn selbst an der Reihe wäre, fragende Blicke oder Antworten wie „das wissen wir auch nicht, nehmen Sie im Wartezimmer Platz (außerdem bekommen wir hier nen Hungerlohn, sind frustriert weil wir uns gegenseitig mobben und hassen diese Scheiß-Nachtschichten)“. Irgendwann darf man dann weitere 30 Minuten im Behandlungszimmer warten. Wird dann gefragt warum man damit nicht bis zum nächsten Tag warten konnte, um zu seinem Hausarzt zu gehen. Die Behandlung läuft dann wie ein Stummfilm, danach geht`s dem Patienten besser, er weiß aber nicht warum, weil ja keiner mit ihm gesprochen hat!

Zurück zur Patientin Richter und der Operation Zehennagel. Dr. Andrew verpasste ihr 3 große Spritzen mit circa 10 Einstichen…die Patientin biss die Zähne zusammen und ich bekam Phantom-Schmerzen, dann ging alles ganz schnell: Zange raus. Angesetzt. Nagel raus. Blutige Angelegenheit. Sie zeigte uns darauf hin, wie man die Wunde verbinden muss und entschuldigte sich schon mal profylaktisch dafür, dass der Verband am nächsten Tag durch einen anderen aber durchaus fähigen Arzt gewechselt werden würde. Und da haben wir wieder einen Unterscheid zu Deutschland: Wir freuten uns auf den nächsten Besuch im BIMC und den weltbesten Cappuccino! Das Einzige Übel dabei ist der Preis: In Deutschland macht`s die Kasse, hier der Patient und lässt summa summarum 3 Mio Indonesische Rupieh (circa 250 Euronen).

Inzwischen übe ich mich als Wundschwester und möchte behaupten, dass ich das gut meistere. Bis die Wunde mit normal gefärbter Haut verdeckt ist, darf Madlen nicht ins Wasser…sie müffelt dadurch schon ein Wenig :-). Bis dahin versuchen wir die psychischen Schäden zu rehabilitieren und ihr den Aufenthalt im Hospital Villa Oasis so angenehm wie möglich zu gestalten.

So meine Mädels: Ich hoffe Ihr fahrt weiterhin so vorbildlich, Ihr Mäuse! Auch meinen treuen Lesern wünsche ich eine allseits gute Fahrt! Wir fahren immer schön links, Ihr dafür rechts…vergesst nicht zu winken und ab und zu nach indonesischer Manier zu lächeln :-).

Ich bedanke mich fürs Kommentieren und sage Sampai Jumpa, Eure Mareen

 

14.11.12 04:55
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mister Pascal / Website (14.11.12 07:02)
AAAArg... auch wenn ich die story schon kenne... irgendwie tuts lesen immer noch weh =D

zum Glück ohne Nagelfotos... hrhr das wäre morgens so früh too much! Mädels.. passt auf die Ständer auf!!! Immer schön mit (Schuh) dann passiert au nix

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