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Schreib doch mal wieder Blog! - Oder: Ferien der Extraklasse

Liebste Freunde der anspruchsvollen Bettlektüre,

auch heute möchte ich versuchen Euch unser Erlebtes unter Hochspannung zu schildern, so dass Ihr keine Angst haben müsst narkotisch einzuschnarchen.

Um uns von unseren Strapazen an der Uni zu erholen, hat uns die Udayana University für genau 2 Wochen ne kleine Pause eingeräumt – So starteten wir in unsere wohlverdienten Ferien. Hochmotiviert und vom Wunsch getrieben mehr von Indonesien zu sehen, versuchten wir ein geeignetes Ziel zu finden. Man könnte uns quasi als unvorbereitete und völlig spontane Last-Minute-Bucher bezeichnen: Die Situation 2 Tage vor Abreise – Hilfe!!! planlos, pleite, unorganisiert ABER fest entschlossen!

Die Entscheidung fiel zunächst auf 5 Tage Erholungsurlaub auf den Gili-Islands. Aber das konnte es noch nicht gewesen sein! Nach langem Suchen und dem Internet sei es gedankt, haben wir super günstige, auf unseren Geldbeutel zugeschnittene Flüge nach Sulawesi ausfindig gemacht. Es stand also fest! Ja was eigentlich? Wo verdammt ist Sulawesi? Was kann man bitte schön dort machen? Und wer hatte eigentlich die Scheiss-Idee auf diese Insel zu fliegen?

Aber zurück zu den Gilis, sozusagen unser Part 1 von Ferien der Extraklasse

Annemarie, Madlen, Ina und ich starten mit dem Speed-Boot in Richtung Trauminseln. Nach 1,5h Fahrt bei recht ruhiger See kamen wir auf Gili-Trawangan, der größten Insel, an, um von dort aus mit einer Art Fischerboot nach Gili-Air zu schippern. Auf Gili Air hieß es nun, nach einer schönen Unterkunft zu suchen. Die Stimmung unter uns Mädels: Ich bin müde und habe Hunger! Ich muss mal pinkeln! Ich will nicht laufen! Warum habe ich eigentlich so viel eingepackt? Und wo verdammt sind die Typen, die in Bali an jeder Ecke stehen, um Dir einen Transport anzudrehen!? Man muss wissen, dass die Gilis Auto- und Motorroller-freie Inseln sind. Dafür gibt es allerdings Pferdekutschen. Wir charterten ein solche und haben glücklicherweise Obdach im gemütlichen Damai-Homestay gefunden. Jetzt dürft Ihr mal raten, was wir als erstes auf der Insel gemacht haben, die als Schnorchel- und Badeparadies bekannt ist. Weil wir praktisch immer Hunger haben und dieser bekanntlich böse macht, waren wir erst mal schick Essen. Die restlichen Tage verbrachten wir damit in der Sonne zu brutzeln und beim Schnorcheln die wohl weisesten Bewohner des Ozeans zu treffen. Mit Geduld und Glück sahen wir die Schildis morgens und nachmittags an der Riffkante und verloren dabei jegliches Zeitgefühl. Jeden Morgen…man glaubt es kaum…standen wir 4:45 Uhr auf, um den Sonnenaufgang hinterm Rinjani auf Lombok zu bestaunen. Bisher lief alles glatt, komisch irgendwie – Die Ruhe vor dem Sturm? Wenn einer eine Reise tut, hat er viel zu erzählen – Oder: Wenn wir auf Reisen sind, lassen wir nix aus! Kurzum: Stromausfall für 12h, Ina hat`s entschärft – Bettruhe, Abreise Gili-Air.

Die letzten 2 Tage verbrachten wir auf Gili Meno: ruhig, ruhiger am ruhigsten!!! Auch dort fanden wir ne super Unterkunft in der Tunai-Bungalowanlage. Swandee, einer der Mitarbeiter, versuchte uns mit Palmwein und Lagerfeuer als Freunde des indonesischen Liedgutes zu gewinnen. Mission nicht geglückt! Schön war`s trotzdem…Danke Swandee

So jetzt ist aber mal Schluss mit der Erholung. Bald sollte es nach Sulawesi gehen. Die Vorfreude war groß. Jetzt hatten wir uns auch intensiv informiert und waren quasi vorbereitet. Oder doch nicht?! Stimmung 1 Tag vor Abreise nach Sulawesi: Ich will endlich braun werden! Das heißt ich will und schon lange nicht mehr ich möchte! Ich habe keinen geeigneten Rucksack! Scheiße 7kg Handgepäck, wie soll ich das machen? Wie jetzt, ich muss meine Bodylotion zu Hause lassen?! 3 T-Shirts für 6 Tage…ekelhaft!

Die Mission Ich packe meinen Rucksack und beschränke mich auf das Wesentliche ist geglückt. Und so starteten wir 4 Mädels mit insgesamt 19 kg Reisegepäck in Richtung

Abenteuer Sulawesi

In dem Bewusstsein, dass wir nach unserer Landung exakt 30 Minuten Zeit hatten, um den Nachtbus nach Rantepao im Hochland von Toraja zu erreichen, starten wir unser ganz persönliches Abenteuer doch recht entspannt. Wenn Engel reisen, lernen Sie manchmal auch fliegen. Und so trugen uns unsere Flügel und der schnellste Taxifahrer von Sulawesi im Tiefflug zur Busstation. Für umgerechnet 10 Euro polterten wir im Deluxe-Schlafbus über die gewöhnungsbedürftigen Strassen. Wahnsinn, wie das übrigens in einem so unorganisierten Land funktioniert. Selbst bei den Pinkelstopps wurde darauf geachtet, dass keiner verloren geht…oder sollte das wohl daran gelegen haben, dass wir die einzigen Westeuropäer weit und breit waren?! Übrigens sind wir jetzt Profis im Lochpinkeln mit 100-prozentiger Treffsicherheit. Nach 8-stündiger Fahrt sind wir wohlbehalten und für unsere Verhältnisse relativ gut gelaunt in Rantepao angekommen. Ja und nun? Standen wir da an der dreckigen Strasse, um uns versammelten sich die Frühaufsteher der Stadt und wir dachten Wo ist Imanuel? Wir hatten uns nämlich zum ersten Mal vorbereitet: Im Voraus nahmen wir Kontakt zu einem Einheimischen auf, der uns von Freunden empfohlen wurde. Er hielt sein Wort, brachte uns in einem familiären Homestay unter und sollte unser treuer Begleiter für die nächsten 3 spannenden Tage sein. Ohne ihn hätten wir wahrscheinlich nur halb so viele tolle und gruselige Erlebnisse gehabt. Ich gebe mein Bestes und versuche Euch unsere Eindrücke wenigstens annähernd lebendig zu beschreiben. Nach einem kleinen Frühstück begaben wir uns in die Tiefen der Toraja-Kultur. Die Toraja haben eine ungewöhnliche Art mit dem Tod umzugehen. So behalten sie ihre Verstorbenen, mit Formalin mumifiziert, bis zu 15 Jahre im Haus. In dieser Zeit gilt der Verstorbene als krank und wird sogar bei den Mahlzeiten der Familie eingeplant. Wenn der Zeitpunkt der Beerdigung gekommen ist, wird eine 3-tägige Zeremonie durchgeführt, die man durchaus als ein einziges Gemetzel bezeichnen könnte. Wir hatten das Glück einer solchen beiwohnen zu dürfen. Im Gepäck eine Stange Zigaretten als Gastgeschenk und keine Ahnung was uns erwarten würde, sollten wir uns bald zwischen Faszination und Schockzustand befinden. Wir hätten es eigentlich wissen müssen, denn das Geräusch, was wir bereits von weither vernommen haben, kannten wir: Schreiende Schweine! Achtung ich switche: Ein paar Stunden zuvor stapften wir über den Schweine- und Wasserbüffelmarkt. Dort werden die armen Viecher unter schlimmen Bedingungen zum Verkauf angeboten. Die Schweine sind auf der Seite liegend an Bambusrohren festgebunden: schreiend, mit Schaum vorm Maul, kollabierend. Halt Stop: Der Tierschützer in mir wollte eins oder am besten gleich alle frei kaufen…aber die hatten echt Schweinepreise. Den Büffeln hingegen ging`s gut: die konnten überall hinkacken, mit dem Schwanz wedeln und kleine Touristen, wie mich, anniesen . Zurück zur Zeremonie: Brennender Gestank nach Feuer. Greise, die genüsslich an ihrer Zigarette ziehen. Männer, die Gedärme in Bambusrohren über den Flammen brutzeln. Unbeschwertes Kinderlachen. Auf Palmenwedeln liebevoll drapierte Schweinehälften. Noch lebende Schweine, die auf den toten ihrer Art abgelegt wurden. Kaffee und Kuchen. Der Schlächter schärft seine Messer. 4 sprachlose Mädels.

Wir hatten die Ehre, direkt unterhalb des hochaufgebauten Sarges direkt bei der Familie des Verstorbenen Platz nehmen zu dürfen. Kaffee und Kuchen hätten wir am liebsten abgelehnt, aber aus Höflichkeit zu uns genommen. Nun erlebten wir 3 Stunden voller Grausamkeiten, einer herzlichen Gastfreundschaft, Trauer und Freude. Freunde und Verwandte der Familie brachten Schweine als Opfergeschenke, die Frauen bereiteten das Essen für die Trauergemeinde vor und Kinder streichelten den Wasserbüffel, dessen Zeit bald abgelaufen sein sollte. Die Familie diskutierte hin und her und beschloss, dass es jetzt passieren sollte: Durch die Opferung des ersten Wasserbüffels wird die Leiche des Verstorbenen tatsächlich als tot erklärt. Der Büffel wir an Holzpflöcken festgemacht, der Henker raucht eine Zigarette und dann ging alles ganz schnell. Aus der Kehle spritzt Blut, der Büffel schlägt aus und geht schließlich zu Boden. Uns schnürte es die Kehle zu: Sprachlos. Atemlos. Gelähmt. Der Himmel von Fliegenschwärmen schwarz gefärbt. Weinende Menschen. Ein kleiner Junge klopft mir auf die Schulter und lächelt mich an.

Nach der Zeremonie wird der Tote im Sarg über Umwege und durch Schütteln zu seiner Grabstätte gebracht. Dies wird gemacht, damit sich der Tote den Weg nicht merken und eventuell zurück ins Dorf kommen könnte. Die Grabstätten sind offene Höhlen oder Felsen, in denen überall Skelette und Schädel herum liegen. Die Verwandten kehren regelmäßig zurück, um den Toten mit dem zu beschenken, was er am liebsten hatte. Wir werden den Anblick eines Sarges nicht vergessen: ein offen daliegendes Skelett ist überschüttet mit Zigaretten...hat ziemlich zufrieden ausgesehen, der Kumpel .

Dann hatten wir Wandertag: Ja Ihr lest richtig, ich bin freiwillig weiter gelaufen als mein Roller lang ist. Unsere 4-stündige Wanderung auf 1500m Höhe führte uns durch den Dschungel, vorbei an kleinen Dörfern und auf die schönsten Reisterrassen der Welt.

Unsere ständigen Begleiter waren die Paparazzi. Einfach jeder wollte uns. Wir wurden gefilmt, fotografiert und natürlich angefasst. Bitte lächeln! Jetzt weiß ich, was die Klum immer mit stressigem Job meint.

Die letzten 2 Tage verbrachten wir in Bira, fernab vom Hochland an einem der schönsten Strände, den wir je gesehen haben.

Unser Resümee: Sulawesi war krass, Kulturschock macht Spaß und wir sind dankbar, dieses Fleckchen Erde gesehen zu haben. Danke Imanuel!

Zusammenfassend haben die Mädels wieder ein paar Worte für Euch in den Raum geschmissen. Aus Scheiße machen wir gewöhnlich Bonbons J. Die Interpretation obliegt wie gehabt der Verfasserin dieses Blogs.

Außergewöhnlich ungewöhnlich: Das ist Madlens Art zu sagen Ich bin bereit für Neues. Ich glaub das Mäusl kann keiner mehr stoppen. Die ist hart im Nehmen: Sie hat sogar, als man uns die Reisegruppe „Flitzekacke“ nannte, noch Mie mit Iiihhh und Reis mit Scheiß gegessen. Danke übrigens, dass Du trotz der „kleinsten“ Handtaschen immer alles einstecken hast, was eine Frau so braucht.

Gegensätze ist Annemaries Botschaft und ihre Art zu sagen Ich will nach Hause. Sie vermisst Ihre Liebsten daheim schon sehr, will zurück zu Ihrem Ivo und kann`s kaum erwarten mir ihren Mädels zu schnacken. Gleichzeitig macht sie als Sonnenanbeter auf Bali ne ziemlich gute Figur. Deswegen behalten wir sie einfach noch ne Weile in den wärmeren Gefilden und schicken sie zu Weihnachten mit Schleife nach Hause.

Inas Wort lautet Wurzeln: Das ist Inas Art zu sagen Ich hab von meinen Eltern viel gelernt. Auf die beiden ist sie nämlich besonders stolz. In gefährlichen Situationen zitiert sie gern ihren Papa, der ihr als Kind immer sagte: „Schau auf die Wurzeln, dann kannst Du auch nicht purzeln!“ Dieses Zitat hat uns wahrscheinlich vor schweren Brüchen und Bänderrissen verschont. Danke :-)

Voll erwischt ist meine Liebeserklärung: Mich hat`s vor fast 9 Jahren voll erwischt. Ich bin unendlich dankbar, Dich an meiner Seite zu haben. Du gehst mit mir durch dick und dünn, bist mein bester Freund und geliebtes Herz. Du holst mich runter, wenn ich mal wieder auf die Palme krabbel` und hast mir gezeigt, dass Ordnung manchmal nur das halbe Leben ist. Danke, dass es Dich gibt! Michael Pohlan, Ich liebe Dich

 

So liebe Lesegemeinde. Ich hoffe Ihr seid nicht weggenickt und konntet Euch amüsieren.

Wir haben Euch alle lieb und sagen Tschüß bis zum nächsten Mal,

Eure Weltenbummler.

 

 

6.11.12 09:21
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Mister Pascal / Website (14.11.12 07:04)
soo da noch fehlend - der Nachtrag!

Muss geil gewesen sein auf Sulawesi...hätte ich auch noch gerne gesehen, aber kann man nicht auf jeder scheiss Insel tanzen =)

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